Illnauer Firma investiert in Elektroschiff

zurcher oberland
03.07.2015, Illnau-Effretikon

Elektroschiff-Opal1Die Batterien der Lithium Storage GmbH sollen dazu beitragen, dass sich Elektroantriebe auf See durchsetzen. Der Prototyp eines Hybridschiffs legt nächste Woche in Island ab.
Kapitäne nehmen es mit dem Begriff Segeln nicht so genau. Statt des Winds nutzen sie oft den zusätzlich angebrachten Dieselmotor, um vorwärtszukommen. Eine Firma, die in Island Schifftouren durchführt, hat ihr Schiff nun als eines der ersten überhaupt mit einem Elektromotor ausrüsten lassen. Wenn der Wind ausbleibt, kann die «Opal» die Touristen in Zukunft auch ohne Treibstoffemissionen befördern.
Herzstück des Elektroschiffs sind die Batterien der Illnauer Lithium Storage GmbH. Das Unternehmen investiert in das Pionierprojekt, um zu prüfen, ob sich das System auch für grössere Schiffe und Fähren nutzen lässt. Die Firma ist bereits am Projekt «E-Force-One» beteiligt, in dem elektrisch angetriebene Lastwagen für Grossverteiler unterwegs sind. Nun wagt man sich auf die Weltmeere.

Hybridschiff vor Pionierfahrt
Auf der Strasse ist sie schon länger unterwegs, nun soll die Hybridtechnologie auch auf See zur Anwendung kommen. Mit an Bord ist die Illnauer Firma Lithium Storage GmbH.
Die Sommersonne treibt auch in den Fehraltorfer Büros der Illnauer Lithium Storage GmbH die Temperatur in die Höhe. Gedanklich ist Geschäftsführer Roger Miauton trotzdem nahe am Polarkreis. In einigen Tagen wird sich der Unternehmer und Illnau- Effretiker Parlamentarier mit frostigen Winden und Treibeis auseinandersetzen. Miauton ist einer der Passagiere an Bord des Zweimasters «Opal», der am 12. Juli zu einer zehntägigen Testfahrt in Island aufbrechen wird.
Die «Opal» ist weltweit eines der ersten Segelschiffe, die sowohl Wind als auch Strom aus einer Batterie zum Vorwärtskommen verwenden. Die Besitzerin North Sailing nutzt das Schiff, um seefeste Touristen zum Wale- Beobachten zu fahren.
Miautons Augenmerk gilt während der Testfahrt allerdings eher der Technik im Rumpf des Schiffs. Dort speisen vier salzwasserdichte Batterien von Lithium Storage den Elektromotor des Schiffs mit insgesamt 240 Kilowattstunden Leistung.
Der schwedische Ableger des Caterpillar-Konzerns steuert die Schiffschraube bei, die bei Segelbetrieb den Wasserwiderstand nutzt, um die Batterie zu laden. Darüber hinaus haben Mitarbeiter aus Fehraltorf die ganze Elektronik, die Schiffsteuerung, das Bordstromnetz und den Antrieb installiert. Das Projekt geht an die Substanz des Unternehmens mit vier Angestellten. «Mindestens drei Mitarbeiter waren in den letzten Tagen vor Ort», sagt Miauton.

Elektroschiff-Opal2

Strom spart Treibstoff
In Island kommt der neuen Technologie ebenfalls grosse Bedeutung zu. Der Besuch des Premierministers ist für den Stapellauf angekündigt. Getragen wird das Projekt von skandinavischen Firmen und Institutionen.
Die Idee für die Hybridtechnik stammt von der Firmengruppe Rensea, in der sich die Beteiligten zusammengeschlossen haben. Lithium Storage ist als Schweizer Firma die einzige Vertreterin aus einem Binnenland. Miauton rechnet damit, dass das Unternehmen mit der Hybridtechnologie einmal auf den Weltmeeren präsent sein könnte. «Wir nutzen das Projekt, um unsere Technologie voranzutreiben», sagt er. «Wir haben deshalb auch in Rensea investiert und rund 200 000 Franken allein für die Entwicklung der Hochseebatterie ausgegeben », sagt er.
Das Marktpotenzial für die Technologie ist theoretisch so weit wie die See. Im Grunde gehört jeder Schiffbesitzer zu den möglichen Kunden: Auf Segelschiffen ist ein Dieselgenerator aus Sicherheitsgründen international Vorschrift. Gerade bei Flaute oder in Hafennähe werfen Kapitäne gerne den Motor an. «Das Verbrennen von Treibstoff widerspricht aber dem Gedanken des umweltfreundlichen Antriebs », sagt Miauton.

Auf grosse Schiffe übertragen
Vorerst bleibt die maritime Hybridtechnologie auf die 30 Meter lange «Opal» beschränkt. Es gehe nun darum, Erfahrungen zu sammeln und zu prüfen, ob sich die Berechnungen erfüllten und die Technik sich auf grössere Schiffe übertragen lasse, sagt Miauton. North Sailing sei aber gewillt, sämtliche neun Schiffe ihrer Flotte mit der Technologie auszustatten, sagt Miauton. Zudem könnten neben Segel- auch Frachtschiffe oder Fähren sie nutzen, um Treibstoff zu sparen. Frachtschiffe, die durch Windkraft Fahrt machen, sind seit einigen Jahren auf den Meeren unterwegs. Meist sorgt ein Drache für die Zugkraft.

Batterien werden besser
Auf der Strasse sind Elektromotoren schon verbreiteter. Im Rahmen des Lastwagen-Projekts «E-Force-One» sind bereits neun Fahrzeuge mit Batterien von Lithium Storage unterwegs. Sieben weitere Brummis sind laut Miauton bestellt. Die Investition in Pionierprojekte sei notwendig, um im Markt die Nase vorn zu haben. «Es gibt weltweit zahlreiche Mitbewerber, doch wir sind ihnen einen Schritt voraus.»
Der Umsatz stammt heute zu zwei Dritteln aus der Schweiz und zu einem Drittel aus dem Ausland. Jährlich importiert Lithium Storage Batterien von rund 200 Tonnen Gewicht. Die Kritik, dass Lithiumbatterien angesichts ihrer Masse zu wenig leistungsfähig seien, beantwortet Miauton mit einem Verweis auf die ständige Weiterentwicklung der Technologie. Tatsächlich hat die Waadtländer Produzentin Leclanché eine neuartige Lithiumbatterie namens LTO mit deutlich kürzeren Ladezeiten auf den Markt gebracht, die erst noch länger hält als bisherige Produkte. Daneben baut die Firma an einem Batteriesystem zum Betrieb der weltweit grössten Fähre. Miauton, dessen Firma seit je in Asien produzieren lässt, ist an einer künftigen Zusammenarbeit interessiert. Noch sind LTO-Batterien allerdings viermal teurer als herkömmliche.
Lithium Storage selbst will noch dieses Jahr ein Produkt auf den Markt bringen, das 60 Prozent mehr Energie pro Kilo Eigengewicht erzeugt. Auch in Sachen Recycling macht man Fortschritte. Das Unternehmen ist eines von zweien in der Schweiz, die eine Branchenlösung umsetzen, welche die Empa mitentwickelt.
Bis 2016 muss Lithium Storage dem Bund den Nachweis erbringen, dass sie in der Lage ist, die gesamte importierte Ware wiederzuverwerten. Die Batterie im Bauch der «Opal» steht freilich erst am Anfang ihres Lebenszyklus.

Energized truck

Swiss television reports on the successful test drive to the Gotthard pass. Particularly the test drive (acceleration) in Erstfeld (Switzerland) surprised even the experts.

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