Mit Batterien auf Erfolgskurs

zurcher oberland
15.11.2012, Illnau-Effretikon

boot miautonMit Batterien auf Erfolgskurs
Die Illnauer Jungfirma Lithium Storage vertreibt nicht nur Batterien, sie will auch Lösungen in den Bereichen der Elektromobilität und der Stromnetzstabilisierung anbieten. Hat mit seinen umweltfreundlichen Akkus grosse Pläne: Der Illnauer Roger Miauton, hier vor einem von ihm umgerüsteten Schiff. (Bild: zvg) 

Es ist eine eigenartige Konstellation: Der Politiker Roger Miauton glaubt nicht an das, was dem Geschäftsmann Roger Miauton nur Recht sein könnte. Weder hält der Illnauer SVP-Gemeinderat einen schnellen Atomausstieg für wahrscheinlich, noch misst er Photovoltaik und Windkraft eine wesentliche Rolle bei der zukünftigen Stromproduktion bei – ein kostengünstiges Speichern dieser erneuerbaren Energie hält er nämlich für unmöglich. Genau das würde seinem Unternehmen Lithium Storage aber zupass kommen. Mit der Illnauer Firma will er nämlich nicht nur Akkus vertreiben, sondern dereinst neben Lösungen im Bereich der elektrischen Mobilität auch solche in der Stromnetzstabilisierung anbieten.

Der Bedarf dafür sei umso grösser, je mehr Solar- und Windstrom hergestellt würden, erklärt Miauton. Denn ab einem Anteil von einem Prozent sorge dieser für eine Destabilisierung des bestehenden Stromnetzes, das nicht auf eine dezentrale Produktion ausgerichtet ist. «Lokal ist dieses Problem bereits aktuell, nur spricht kaum jemand darüber», sagt der Elektroniker, der mit seiner Firma derzeit das Geld noch fast ausschliesslich mit dem Verkauf von Batterien verdient, die zumeist in Elektro-Fahrzeugen zum Einsatz kommen.

Ins Geschäft ist Miauton eher zufällig gekommen, als er im Internet für einen Bekannten, der Elektro-Autos baut, einen modernen Lithium-Eisen-Phosphat-Akku suchte. Da die Preise der nur wenigen europäischen Anbieter nicht seinen Vorstellungen entsprachen, blieb ihm nichts anderes übrig, als die Ware in den USA, bei Lithium Storage, zu bestellen.

Zwei Monate dauerte es, bis die Schiffsfracht ankam – der Luftweg wäre ökonomisch wenig sinnvoll, gelten doch die Batterien als Gefahrengut und können nur in beschränktem Umfang transportiert werden. «Mit einem Verteilzentrum für Europa ginge das zügiger», dachte sich der umtriebige Miauton und nahm Kontakt mit dem Firmeninhaber auf. Da diesem bereits Ähnliches vorgeschwebt hatte, kam rasch eine Zusammenarbeit zustande.

Vielversprechender Start
Anfang diesen Jahres gründete Roger Miauton seine Firma. An den Gewinnen ist das gleichnamige in Salt Lake City ansässige Unternehmen beteiligt, obschon Miauton in Illnau eigenständig wirtschaftet. Er importiert Akkus und Ladegeräte aus China, lässt sie am Hafen in Basel von einem externen Mitarbeiter umschlagen und von Transportfirmen an Kunden vorwiegend in der EU liefern. Diese sind bis anhin vor allem Hersteller und Halter von Elektro-Fahrzeugen sowie Forschungsinstitute.

Miauton handelt ausschliesslich mit Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus, die über eine maximale Ladungskapazität zwischen 40 und 1000 Amperestunden verfügen. Sie sind wesentlich leichter als althergebrachte Blei-Akkus und weisen ihnen und anderen Lithium-Batterien gegenüber weitere Vorteile auf. Das weitgehend konkurrenzlose Geschäft ist viel versprechend angelaufen, der Umsatz dürfte sich im ersten Jahr im Bereich einer halben Million Franken bewegen. «Fast täglich kommt ein neuer Kundenkontakt zustande, obwohl ich keinerlei Werbung betreibe», sagt Miauton, der sich zur Zeit mit einem Pensum von 30 bis 40 Prozent dem Vertrieb der Batterien widmet.

Mehrere Projekte geplant
«Ich will aber mehr sein als ein klassischer Distributor», stellt der Oberländer klar. Er wolle ebenso als Berater fungieren und Lösungen nicht nur im Bereich mobiler, sondern auch stationärer Anwendungen anbieten und selbst produzieren. Ein Projekt hat er bereits realisiert: Auf dem Bielersee hat er zusammen mit einem Kollegen ein sieben Meter langes Schiff von einem Diesel- auf einen Elektromotor umgerüstet und mit 32 Batterien bestückt. 200 Kilometer beträgt seine Reichweite. Dabei verbraucht es 10 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. «Das entspricht lediglich einem Liter Diesel», sagt Miauton, der in absehbarer Zukunft auch ein Passagierschiff für 100 Personen zu elektrifizieren gedenkt.

Noch vorher geplant ist die Umrüstung eines 18-Tonnen-Lastwagens. Dass die erst allmählich vermehrt auftauchenden Fahrzeuge mit Elektromotor nicht schon längst auf dem Markt sind, erklärt sich Miauton folgendermassen. «Europa hat es verpasst, Kapazitäten für die Herstellung von Batterien zu schaffen, und befindet sich mindestens zehn Jahre im Rückstand.»

Die Wertschöpfung, die zu einem grossen Teil beim Verbrennungsmotor liegt, würde deshalb bei einem Elektro-Fahrzeug – ganz anders als bei einem mit Treibstoff betriebenen Gefährt – überwiegend in China generiert. «Es würden unzählige Arbeitsplätze verloren gehen, niemand hat also Interesse daran», sagt Miauton, der noch weitere Pläne hat. Demnächst will er eine batteriebetriebene, mit Windrad und Solarpanels versehene Hybrid-Strassenlampe bauen. Die Leuchte, die in China bereits auf dem Markt ist, erzeugt den benötigten Strom selber und soll als fertige Lösung verkauft werden.

Zusammenarbeit mit ABB?
Erneuerbare Energien seien grundsätzlich «eine gute Sache» – allerdings sollten sie langfristig nicht über Subventionen finanziert werden, findet der SVP-Politiker. Und je höher der Anteil der dezentral erzeugten Energien an der gesamten Stromproduktion sei, desto wichtiger würden stabile Netze. Hierin sieht er ein weiteres Geschäftsfeld. Einzig hochkapazitive Batterien könnten nämlich die Netzstabilität sicherstellen. «Sie sind in der Lage, Strom sehr schnell zu speichern und wieder abzugeben und können so Schwankungen effizient ausgleichen.» Der Unternehmer kann sich vorstellen, gemeinsam mit den Elektrizitätswerken die Unterwerke aufzurüsten, hält aber auch eine Zusammenarbeit mit der ABB für denkbar. Spruchreif ist indes noch gar nichts. (ZO/AvU)

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Swiss television reports on the successful test drive to the Gotthard pass. Particularly the test drive (acceleration) in Erstfeld (Switzerland) surprised even the experts.

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